Museernes Samvirke i Vestjylland
Oddesund - Nadelöhr und Lebensader


Die Oddesund-Brücke 2004. Erbaut 1938. 2004 Photo: Ib Bjarne Sørensen

Der Oddesund war die Hauptverkehrsader für den nord-südlich verlaufenden Viehtrieb im 19. Jahrhundert. Ursprünglich wurden Rinder und Pferde mit einer Ruderfähre übergesetzt. 1883 wurde ein Dampfschiff eingesetzt, und 1938 wurde die Oddesund-Brücke eingeweiht.

Der Oddesund im 19. Jahrhundert
Von alters her hat die sagenumwobene Fährverbindung am Oddesund Thy mit dem Land südlich des Fjords, dem so genannten Hardsyssel, verbunden. Sturmfluten durchbrachen Agger Tange 1825 und erneut 1839, so dass es am Strand kein Durchkommen mehr gab. Seither verläuft die Hauptverkehrsader von Norden nach Süden über den Oddesund.

Der Oddesund war gleichzeitig Lebensader und Nadelöhr, u. a. wegen der zahlreichen Rinder, die jedes Jahr auf die großen Märkte in Deutschland und Holland getrieben wurden. Dass der Viehtrieb nicht mehr auf dem flachen, gut passierbaren Sandstrand an der Westküste verlaufen konnte, schuf natürlich Verkehr und Handelsmöglichkeiten im Landesinneren. Aber das strömungsreiche Gewässer bei Oddesund bot auch gefährliche und schwierige Bedingungen. Tiere und Menschenleben gingen verloren, und oft mussten die Reisenden tagelang warten, bevor sie übergesetzt werden konnten.

Ruderfähre
Ursprünglich erfolgte die Überfahrt mit einer Ruderfähre, die erstmalig in einem Königlichen Brief 1595 genannt wird. 1686 wurde eine neue Fähre eingesetzt, die zwei Pferdegespanne mit Wagen und Ladung aufnehmen konnte.
1840 passierten 349 Pferde, 2.639 Stück Großvieh, 561 Kälber, Lämmer und Schweine den Oddesund. Hinzu kamen 6.145 Gänse, die allerdings selbst über das Wasser schwammen.

Die Pferde standen in der Regel quer auf der Fähre, so dass die Vorderbeine auf der einen Reling und die Hinterbeine auf der anderen ruhten. Die Tiere waren nicht angebunden, was für die Leute, die die Zügel hielten, gefährlich war. Sie mussten auf der obersten Bordkante einen halben Meter über dem Wasserspiegel ohne Stütze stehen. Mit den Rindern war es einfacher: Wenn man sie nicht selbst hinüberschwimmen ließ, wurden sie an der Innenseite der Fähre an Ringen angebunden, so dass ihr Kopf nach unten auf die Bodenbretter der Fähre gezogen wurde.

Am 6. Oktober 1874 kenterte die Fähre. Obwohl es kräftig stürmte, wurden Rinder über den Sund übergesetzt. Einige wurden jedoch in dem kräftigen Seegang so unruhig, dass das Wasser über die Bordwand schlug, und die Fähre zu sinken begann. Der Ruderknecht Peder Jensen Nielsen band die Rinder los, um sie über Bord zu bringen. Als er fast fertig war, fiel er ins Wasser, und obwohl es ihm gelang, sich auf den Rücken eines Rindes zu retten und sich ca. eine Viertelstunde festzuhalten, ertrank bei dem Unglück nicht nur er, sondern auch 5 Rinder.

Eisenbahnverbindung
Die stetige Zunahme von Handel und Verkehr über den Oddesund bedeutete, dass die alte privilegierte Ruderfähre von einer zeitgemäßeren Verbindung abgelöst werden musste. Nach mehrjährigen Vorbereitungen wandten sich 100 Einwohner aus Thy und Westjütland 1870 an den Reichstag mit dem Wunsch nach einer Eisenbahnverbindung von Struer nach Thisted und einer Dampfschiffverbindung über den Oddesund. Mit dem Gesetz von 1879 wurde ihr Wunsch erfüllt, und 1882 war die Eisenbahn nach Thy fertig.
Im Jahr darauf übernahmen die Staatsbahnen den Fährbetrieb mit einer Dampffähre. Dies war ein gewaltiger Fortschritt in puncto Sicherheit.

Die Brücke über den Oddesund
Die Brücke über den Oddesund wurde am 15. Mai 1938 eingeweiht. In seiner Rede hob König Christian X. besonders die Vorteile hervor, dass nun "lebhaftere Verbindungen zwischen den Einwohnern von Thy und Westjütland ermöglicht worden waren". Dass dies kein leeres Gerede war, bewies schon die Zahl der Zuschauer bei der Einweihungszeremonie: Über 40.000 Menschen waren erschienen!

Nach der Rede drückte der König auf einen Knopf, und die große Brückenklappe, die bis dahin offen gestanden hatte, senkte sich langsam.

Das Gebiet um den Oddesund
Das Gebiet um den Oddesund ist seit vielen Jahren eine zentrale Überfahrtsstelle. Dafür gibt es unzählige Zeugnisse nördlich und südlich des Sundes. In vieler Hinsicht ist dieses Gebiet ein Kulturmilieu von großer Bedeutung, weil man hier eine Vielzahl kulturgeschichtlicher Schichten aufdecken kann. Es handelt sich indessen nicht nur um konkrete Ablagerungen, auch auf geistigem Gebiet war die Gegend von erheblichen Unterschieden geprägt.

Der Direktor der Stiftung Ny Carlsberg Fondet, Hans Edvard Nørregaard-Nielsen, verbrachte in den 1950er Jahren einige seiner Jugendjahre in Humlum und kannte daher die Gegend um den Oddesund sehr gut. In einem Rückblick beschrieb er, dass die andere Seite der Brücke irgendwie beunruhigend war: "Der Oddesund trennte nicht nur die eine Gemeinde von der anderen, Harde von Harde und Amt von Amt, sondern - am allerwichtigsten - nördlich und südlich des Fjords. Man passierte die Brücke mit einem gewissen Zögern. Auf der anderen Seite lebte ein anderer Menschenschlag, und hier gab es Jungen, die in eine andere Schule gingen."


So sah Oddesund Süd 1888 aus. Das Gemälde im Museum Struer zeigt das Bahnhofsgebäude und den Fähranleger. 1888 Photo: Unbekannt


Gut erhaltene, fast unzerstörbare Bunker, Reste von Panzergräben im Gelände u. a. m. in der Umgebung von Oddesund sind handfeste Reste der deutschen Besatzung in Dänemark. 2004 Photo: Ib Bjarne Sørensen


Einige der kleinen Sommerhäuser wurden ursprünglich von den Arbeitern bewohnt, die die Oddesund-Brücke bauten. 2004 Photo: Ib Bjarne Sørensen
 

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